Die sachgemäße Lagerung geernteter Rebstöcke über den Winter erfordert praktisch keine besonderen Bedingungen oder nennenswerte Investitionen. Sie können sowohl in einem Landhaus als auch in einer Stadtwohnung gelagert werden.
Solche Maßnahmen werden die Verluste, die bei der Entnahme von Stecklingen in großen Mengen und beim Anbau seltener, neuer und anspruchsvoller Pflanzensorten unvermeidlich sind, deutlich reduzieren.
Besonderheiten bei der Auswahl von Stecklingen
Die Vermehrung von Weinreben, insbesondere außerhalb der südlichen Regionen, erfolgt häufig durch Veredelung neuer Sorten auf bereits bewährte, robuste und keimfähige Rebstöcke. Auch die Direktsaat im Freiland ist erfolgversprechend, vorausgesetzt, es wird hochwertiges Pflanzgut verwendet. Stecklinge, etwa 5–8 Millimeter dick und 50–70 Zentimeter lang, werden als Stecklinge bezeichnet. Die Keimfähigkeit wird anhand der Anzahl lebender und intakter Knospen, sogenannter Knoten, an jedem Steckling bestimmt. Dieser sollte 2–4 Knoten aufweisen.
Sie können mit einem ausgezeichneten Überleben rechnen, wenn der Schnitt:
- von einer fruchttragenden Weinrebe geerntet;
- aus einer jungen Pflanze gewonnen;
- Von einer reifen Rebe abgeschnitten.
Die Reben müssen gesund sein, da sie sonst die Gefahr laufen, alle Pflanzen im neuen Pflanzgebiet zu infizieren. Im Herbst bieten die meisten großen Baumschulen Stecklingsverkäufe an und öffnen ihre Anlagen für Kunden. Dies ist eine hervorragende Gelegenheit, die Pflanzen persönlich in Augenschein zu nehmen, ihren Reifegrad zu beurteilen und sich zu vergewissern, dass sie frei von gängigen Krankheiten sind.
Oft lässt sich der Reifegrad der Rebe, von der der Steckling stammt, nicht genau bestimmen. Sie können jedoch zu Hause einige einfache Tests durchführen. Bestreichen Sie die frische Schnittstelle mit Jod und warten Sie 3–5 Minuten. Verfärbt sich die behandelte Stelle schwarz, ist die Pflanze reif. Achten Sie beim Kauf am besten auf Struktur und Dichte. Hochwertige Stecklinge geben beim Biegen ein leichtes, aber spürbares Knacken von sich. Das deutet darauf hin, dass sie sich relativ gut konservieren lassen und im Frühjahr an einem neuen Standort gut anwachsen.
Herbstvorbereitungen
Die Überwinterung und Aussaat im Frühjahr gelingen, wenn die Sämlinge rechtzeitig geerntet und unter geeigneten Bedingungen platziert werden. Die gängigste Methode zur Stecklingsvermehrung ist der Rückschnitt im Herbst nach der Hauptfruchtzeit. Diese Methode bietet mehrere Vorteile.
Erstens ermöglicht die Überwinterung von Rebstöcken als Stecklinge deren Pflanzung im Frühjahr in vorbereitetem und gut erwärmtem Boden. Die Wurzeln können sich sofort bilden, und der grüne Teil beginnt zu wachsen. Sonne, Wärme und Feuchtigkeit fördern das Wachstum unmittelbar und erhöhen so die Chancen auf eine gesunde und ertragreiche Pflanze deutlich. Werden die Stecklinge jedoch im Frühjahr geschnitten, bleibt nur wenig Zeit zum Pflanzen, da sie sich nicht für die Langzeitlagerung vorbereiten lassen. Infolgedessen verhindert der kalte Boden die Wurzelbildung, und nur 30 Prozent der Pflanzungen überleben unter diesen Bedingungen. Zweitens birgt der Frühjahrsschnitt das Risiko, den Stamm zu beschädigen, der bereits Saft zieht. Die Stecklinge werden aus dem unteren Stammbereich geschnitten, wo der Feuchtigkeitstransport im Inneren am aktivsten ist. Schnitte in diesem Bereich können Krankheiten oder sogar den Tod der Rebe verursachen.
Die Weinlese beginnt Ende September oder Anfang Oktober. Die Stecklinge werden mit einem scharfen Messer so nah wie möglich am Stamm oder verholzten Teil der fruchttragenden Reben geschnitten. Alle Blätter werden von Hand entfernt, weitere Stecklinge werden nicht geschnitten. Da die Trauben im Herbst allmählich in eine Ruhephase eintreten und weniger Feuchtigkeit aufnehmen, müssen die Stecklinge vor der Lagerung noch einmal nachbehandelt werden.
Speicherregeln
Die Winterperiode ist recht lang, und die größte Gefahr für Stecklinge besteht darin, dass sie vollständig austrocknen oder erfrieren. Es gibt einige einfache Regeln für die Lagerung von Rebstecklingen und deren Vorbereitung auf Winter und Frühjahr.
Vorbereitung
Unmittelbar nach dem Schneiden sollte das Pflanzgut in sauberes Wasser gestellt werden. Es sollte nicht kochend heiß sein, sondern lediglich stehendes Wasser oder Regenwasser bei Zimmertemperatur. Die Pflanze nimmt innerhalb von 24 Stunden ausreichend Feuchtigkeit auf. Wurde der Zweig mit einem mäßig scharfen Gegenstand geschnitten, kann er zur Erhöhung der Überlebenschancen noch etwas gekürzt werden. Nach 24 Stunden wird der Steckling aus dem Wasser genommen und die Enden mit warmem Paraffin versiegelt. Dies reduziert die Verdunstung und verlängert die Haltbarkeit.
Bestehen Zweifel an der Qualität der Mutterrebe oder an deren Krankheitsfreiheit, ist eine Behandlung mit Eisensulfat oder Kaliumpermanganat erforderlich. Tauchen Sie die Sämlinge 3–5 Sekunden lang in eine 0,5-prozentige Lösung und trocknen Sie sie anschließend gründlich ab. Dadurch werden die meisten Pilze, Bakterien und Viren abgetötet.
Platzierung im Kühlschrank
Die Lagerung von Rebstöcken im Kühlschrank ist auch für diejenigen möglich, die in einer typischen Stadtwohnung ohne separaten Keller leben. Bei größeren Mengen an Pflanzgut kann die Lagerung jedoch schwierig werden. Ein Kühlraum bietet optimale Bedingungen, darunter:
- Temperatur von +4 bis 0 Grad;
- stabile Luftfeuchtigkeit von etwa 60%;
- Belüftung;
- Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung.
Selbst frostempfindliche Sorten wie Tafeltrauben und Weintrauben werden unter diesen Bedingungen gelagert. Stecklinge sollten im Gemüsefach oder auf der untersten Ablage platziert werden. Wird der Kühlschrank nicht nur zur Aufbewahrung von Stecklingen genutzt, sondern auch für seinen eigentlichen Zweck, sollten die Sämlinge in ein leicht feuchtes Tuch gewickelt und anschließend in einem Plastikbeutel, aber nicht vollständig, verschlossen werden, um Fäulnis zu vermeiden. Kontrollieren Sie die vorbereiteten Stecklinge monatlich.
Lagerung im Keller
Der Keller sollte ausreichend trocken und frostfrei sein. Wenn Gemüse in solchen Räumen gelagert wird und selbst in strengsten Wintern nicht gefriert, sind die Bedingungen für Stecklinge geeignet. Wichtig ist jedoch, dass regelmäßig gelüftet wird.
Die vertikale Stecklingsvermehrung ist üblich. Man füllt ein flaches Gefäß 10 Zentimeter hoch mit Sand und befeuchtet diesen leicht mit zimmerwarmem Wasser. Die Stecklinge werden in ihrer natürlichen Position, nicht kopfüber, in den Sand gesteckt. Sie dürfen sich nicht berühren. Die Haltbarkeit der Trauben im Keller über den Winter sollte regelmäßig kontrolliert werden, indem man die Öffnung der Stecklinge begutachtet. Das Gefäß wird monatlich befeuchtet.
Die zweite Aufbewahrungsmöglichkeit ist die horizontale Lagerung. Die Stecklinge werden schichtweise in einen Behälter gelegt, abwechselnd mit Sämlingen und einem Füllmaterial wie Sand oder Moos. Der gesamte Behälter sollte regelmäßig befeuchtet werden; die Verdunstungszeit kann durch Abdecken mit Plastikfolie verlängert werden. In diesem Fall sollten die Stecklinge besonders sorgfältig auf Schimmel und Fäulnis untersucht werden. Die oberste und unterste Schicht sollten im Winter zweimal ausgetauscht werden.
Wie man Gräben nutzt
Wenn kein Kühlschrank oder Keller vorhanden ist, können Sie die Stecklinge in einem einfachen Graben lagern. Graben Sie diesen auf einer erhöhten Plattform. Die Tiefe sollte mindestens einen halben Meter betragen, die Breite richtet sich nach der Größe des größten Sämlings. An jeder Seite sind mindestens 5 Zentimeter Platz erforderlich. Die Grabenwände werden mit Kalk bestreut, und der Boden wird mit einer 10 Zentimeter dicken Sandschicht bedeckt. Die Stecklinge werden abwechselnd mit Sand senkrecht oder waagerecht in den Graben gelegt. Die oberste Schicht besteht aus Erde. Es ist wünschenswert, dass der fertige „Lagerraum“ etwas über das Geländeniveau hinausragt. Die Lagerung von Rebstecklingen auf diese Weise bis zum Frühjahr ist nur möglich, wenn in der Region kein starker oder anhaltender Frost auftritt. Außerdem ist das Pflanzgut so vor Überschwemmungen, Staunässe und sogar Nagetieren geschützt.
Lagerung gekaufter Stecklinge
Beim Kauf in einer spezialisierten Baumschule erhalten Sie fertig vorbereitete Stecklinge; Sie müssen diese nur noch einpflanzen. Werden die Pflanzen jedoch von privaten Gärtnern, Freunden oder Hobbygärtnern erworben, ist besondere Vorsicht bei der Krankheitsbekämpfung geboten. Es empfiehlt sich, Stecklinge aus dem eigenen Weinberg von zugekauften Stecklingen zu trennen.
Frühjahrscheck
Vor dem Einpflanzen ist es wichtig, alle Sämlinge zu prüfen. Diejenigen, die bereit für weiteres Wachstum sind, haben eine feste und stabile Struktur, keine schlaffe und weiche. Unter der dünnen Rinde befindet sich eine grüne, kräftige Schicht. Rebstecklinge müssen über den Winter relativ lange gelagert werden, aber kräftige Pflanzen können trotzdem innerhalb weniger Tage nach dem Eintauchen in Wasser in einem warmen Raum ihre ersten Blätter bilden. Mit dieser Methode kann man einige Sämlinge testen und so die Qualität der gesamten Charge bestimmen. Auch selbstgezogene Stecklinge können eingepflanzt werden.
Kräftige Stecklinge können auch während der Lagerung Knospen entwickeln. Sie entwickeln sich innerhalb weniger Tage nach der Entnahme aus dem Kühlschrank oder Keller vollständig. Diese Stecklinge benötigen keine weitere Pflege und sind sofort bereit zum Einpflanzen.
Die richtige Überwinterung von Rebenstecklingen ist unkompliziert. Die Setzlinge können im Kühlschrank, im Keller oder sogar in einfachen Gräben gelagert werden. Da die wärmeliebende Pflanze jedoch weder Frost noch übermäßige Feuchtigkeit verträgt, ist die Überwachung dieser Parameter unerlässlich. Die Vermehrung von Weinreben durch Stecklinge ist der schnellste Weg, fruchttragende Reben zu erhalten oder eine neue Sorte zu veredeln. Daher ist die Lagerung der Setzlinge ab Herbst ein Muss.

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