Die Veredelung von Obstpflanzen ist eine hervorragende Methode, um die gewünschte Pflanzensorte zu erhalten. Man muss dafür nicht bis zum Frühling warten. Erfahrene Gärtner veredeln die Pflanzen lieber im Winter und ziehen die Sämlinge im Gewächshaus oder im Haus vor. Bei richtiger Vorgehensweise entwickeln sich daraus im Herbst robuste einjährige Pflanzen.
Merkmale der Winterveredelung
Um schnell kräftige Sämlinge einer bestimmten Pflanzensorte zu gewinnen, wird in den Wintermonaten veredelt. Vor dem Eingriff bereiten Gärtner das Veredelungsmaterial vor. Alle Arbeiten werden in angenehmer Umgebung in Innenräumen durchgeführt, nicht im Freien. Daher wird diese Art der Pflanzenveredelung auch als Indoor- oder Tischveredelung bezeichnet.
Sträucher und Obstpflanzen können im Winter veredelt werden. Man sollte jedoch bedenken, dass besonders empfindliche Sorten eine geringe Überlebensrate haben. TraubeApfel- oder Birnbäume bereiten keine Probleme, aber bestimmte Kirschsorten haben große Schwierigkeiten, Wurzeln zu schlagen.
Notwendige Werkzeuge
Für die Gartenarbeit benötigt der Gärtner Spezialwerkzeug. Sie benötigen:
- ein scharfes Messer oder ein spezielles Messer zum Veredeln;
- Gartensäge oder Metallsäge;
- spezielles Klebeband oder Plastikbeutel zum Zubinden;
- Gartenlack oder Ölfarbe.
Vorteile der Veredelung im Winter
Der Winter ist für Gärtner eine relativ ruhige Zeit. Bis dahin sind alle Gartenarbeiten erledigt und die Ernte verarbeitet. Daher können einige der notwendigen Frühjahrsarbeiten bequem von zu Hause aus erledigt werden. Veredelte Knospen, die zu dieser Zeit veredelt werden, weisen eine hohe Überlebensrate auf und werden durch Frost nicht beschädigt. Darüber hinaus beschleunigt diese Veredelungsmethode das Wachstum der Sämlinge deutlich. Im Herbst sind sie groß und kräftig genug, um an ihren endgültigen Standort verpflanzt zu werden.
Vorbereitung des Materials für die Veredelung
Je nach Klima der Region beginnt die Winterveredelung Ende Dezember oder im Januar. Mit dem Frühling und dem Einsetzen der warmen Temperaturen ist dieser Vorgang abgeschlossen. Die Vorbereitungsarbeiten erfolgen jedoch deutlich früher. Erfahrene Gärtner beginnen bereits im Herbst mit der Zusammenstellung von Edelreisern und Unterlagen. Dies geschieht üblicherweise im Oktober oder Anfang November. Bis zum Abschluss der eigentlichen Veredelung wird das vorbereitete Material unter speziellen Bedingungen gelagert.
Ernte von Unterlagen
Für die Veredelung im Hausgarten werden nur kräftige Jungpflanzen als Unterlagen ausgewählt. Dies bestimmt die Höhe und Lebensdauer des neuen Baumes oder Strauches sowie die Anzahl der Früchte. Je nach Vermehrungsmethode unterscheidet man zwischen samenvermehrten und vegetativ vermehrten Pflanzen. Bei der samenvermehrten Vermehrung werden die Sämlinge aus Samen gezogen, bei der vegetativen Vermehrung durch Stecklinge.
Ein- bis zweijährige Exemplare oder ausgewachsene Klonpflanzen werden vor dem ersten Frost im Oktober ausgegraben. Wählen Sie Exemplare mit gut entwickelten Wurzeln und einem Stammdurchmesser von mehr als 7 mm. Diese werden auf eine Länge von 30 cm zurückgeschnitten. Die vorbereiteten Wurzelstöcke werden in Kisten gelegt und mit einem angefeuchteten Gemisch aus Sand und Sägemehl bestreut. Anschließend werden die Kisten in einen abgedunkelten Raum mit einer Temperatur zwischen 0 und 3 °C gestellt. Ein Keller ist ideal.
Vorbereitung der Edelreiser
Die Edelreiser werden ebenfalls im Herbst, vor dem ersten Frost, vorbereitet. Sie stammen von den oberen Trieben geeigneter Bäume. Die Edelreiser sind 10–15 cm lang und haben 2–3 lebende Knospen. Werden mehrere Sorten oder Kultivare veredelt, werden die Edelreiser in separaten Bündeln gesammelt und mit ihren Namen beschriftet.
Vor dem Einpflanzen die Stecklinge in eine mit angefeuchtetem Sand gefüllte Kiste stellen, entweder senkrecht oder leicht schräg, sodass das untere Drittel im Sand vergraben ist. Alternativ können die Stecklinge auch in Plastikfolie eingewickelt und zugebunden werden. Edelreiser und Unterlagen zusammen im Keller oder Unterschrank lagern.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Impfung
Obstpflanzen werden mit verschiedenen Methoden veredelt. Sind die zu verbindenden Zweige gleich dick, bietet sich die Veredelung mit Wurzelstock an. Dazu werden die Sämlinge aus dem Keller in einen wärmeren Raum mit einer Temperatur zwischen 10 und 12 Grad Celsius gebracht. Sie werden auf einer feuchten Oberfläche ausgelegt und begutachtet. Schwache Exemplare werden aussortiert, und verfaulte oder beschädigte Wurzeln werden entfernt.
Die Edelreiser werden 24 Stunden vor dem geplanten Arbeitsbeginn an einen warmen Ort gebracht. Um den Saftfluss anzuregen, werden sie in Wasser oder einer schwachen Lösung eines Wachstumsförderers eingeweicht. Drei Stunden vor der Arbeit werden die Edelreiser entnommen, getrocknet und in einem warmen Raum horizontal ausgelegt.
Die direkte Winterveredelung von Obstbäumen erfolgt wie folgt:
- Mit einem scharfen Messer einen schrägen Schnitt am Wurzelhals der Unterlage machen. Der Schnitt sollte dreimal so lang sein wie der Durchmesser des Edelreises.
- Ein Zungenschnitt wird quer über den Schnitt durchgeführt.
- Der Edelreis-Steckling wird auf die gleiche Weise geschnitten.
- Die Schnitte werden durch Ineinanderstecken der Zungen ausgerichtet.
- Die Verbindungsstelle ist fest mit Polyethylen umwickelt.
- Bedecken Sie die Schnittstelle des Edelreises mit Gartenpech, damit er während der Lagerung nicht austrocknet.
Methoden der Winterveredelung
Ist die Unterlage doppelt so dick wie der Edelreis, kommt die Khudyakov-Methode zum Einsatz. Das Edelreis wird dann wie für die Kopulation behandelt. Die Unterlage wird beidseitig keilförmig eingeschnitten. An einer der freiliegenden Seiten wird ein Schnitt in Faserrichtung gesetzt und mit dem Edelreis verbunden. Die Verbindung wird fest mit Isolierband umwickelt, und alle freiliegenden Stellen werden mit Gartenpech bedeckt.
Das könnte Sie auch interessieren:Wenn der Edelreis deutlich dünner als die Unterlage ist, lässt er sich leichter hinter die Rinde veredeln. In diesem Fall sollte sich die Rinde der Unterlage relativ leicht vom Holz lösen. Schneiden Sie die Rinde dann von der Spitze aus leicht ein und ziehen Sie sie mit einem Messer in beide Richtungen ab. Schneiden Sie anschließend den Edelreis längs diagonal ein und setzen Sie ihn an die vorbereitete Stelle auf der Unterlage. Binden Sie die Veredelungsstelle fest an und bestreichen Sie sie mit Gartenpech.
Reicht die Rindentrennung nicht aus, wird eine Spaltpfropfung durchgeführt. Dabei wird ein Einschnitt in die Mitte der Unterlage gemacht und das Edelreis schräg eingesetzt, sodass die Rindenschichten aufeinanderliegen. Anschließend werden die Ränder des Spalts fest mit Klebeband umwickelt und die Pfropfstelle mit Gartenpech versiegelt.
Winterveredelung von Apfelbäumen
Sortenreine Apfelbäume werden veredeltWenn die Sämlinge ruhen, empfiehlt sich der Zeitpunkt für die Veredelung Ende Januar. Gartenexperten raten jedoch stark vom regionalen Klima ab. In Gebieten mit frostigen, strengen Wintern sollte die Veredelung bis zum Frühjahr verschoben werden, um größere Ausfälle zu vermeiden.
Alle beschriebenen Veredelungsmethoden eignen sich für Apfelbäume, wobei die verbesserte Kopulation häufiger angewendet wird. Dabei werden Edelreis und Unterlage durch schräge Schnitte am Edelreis verbunden. Um die Anwachsrate der Sämlinge zu erhöhen, verwenden Gärtner oft Paraffinwachs. Hierbei wird das veredelte Edelreis in 60 Grad Celsius vorgewärmtes Paraffin getaucht. Anschließend wird die Pflanze entnommen und in mit Sand gefüllte Kisten gestellt. Dieses Verfahren verbessert das Anwachsen der Schnittstellen und verringert das Risiko vorzeitigen Austriebs.
Pflanzen nach dem Veredeln lagern
Nach dem Veredeln und der Paraffinbehandlung werden die Sämlinge in Plastikfolie gewickelt und in Kisten mit feuchtem Sand oder Sägemehl von Laubbäumen gestellt. Zur Desinfektion werden sie mit kochendem Wasser gedämpft oder mit einer schwachen Kaliumpermanganatlösung besprüht. Torf oder Sphagnummoos eignen sich ebenfalls als Abdeckung. Ein feuchtes Milieu fördert die schnelle Heilung der Schnittstellen.
Die Sämlingsboxen werden drei Wochen lang in einem warmen Raum bei 20 °C (68 °F) belassen. Während dieser Zeit verschmelzen die Gewebe von Edelreis und Unterlage und bilden Kallus. Dieser weißliche Auswuchs kündigt die Wurzelbildung an.
Sobald die Knospen anschwellen, werden die Sämlinge in einen kühleren Raum mit einer Temperatur von 4 bis 6 Grad Celsius gebracht. Dadurch wird das Triebwachstum verlangsamt. Ein Keller oder ein warmer Vorraum eignet sich dafür. Die Sämlinge verbleiben bis zum Auspflanzen unter diesen Bedingungen.
Einpflanzen veredelter Pflanzen in den Boden
Die Pflanzen werden an ihren endgültigen Standort verpflanzt, sobald es richtig warm ist und sich der Boden erwärmt hat. Frost erhöht das Risiko des Absterbens der Sämlinge. Daher werden sie erst gepflanzt, wenn keine Frostgefahr mehr besteht.
Die Pflanzen werden in Gebieten mit fruchtbarem Boden ausgepflanzt. Beim Pflanzen werden die Setzlinge bis zum Anbindepunkt tief eingepflanzt. Anschließend wird Torf aufgetragen, der den Stamm bis zur ersten Knospe des Edelreises bedeckt. Nach dem Pflanzen werden die Pflanzen gegossen. Sie werden dann kontrolliert und austreibende Triebe umgehend entfernt.
Die Anzucht von Setzlingen in einem Folientunnel erzielt hervorragende Ergebnisse. Dies kann zwei Wochen vor der Auspflanzung ins Freiland erfolgen. Halten Sie einen Abstand von 15 cm zwischen den Setzlingen und 45 cm zwischen den Reihen ein. Alternativ können Sie die Setzlinge auch in spezielle Töpfe oder stabile Pflanzsäcke umpflanzen. Diese Pflanzen wachsen den Sommer über kräftig und erreichen im Herbst die optimale Größe für die Auspflanzung an ihren endgültigen Standort.
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Die Winterveredelung vereinfacht die Gartenarbeit und spart Zeit. Die Pflanzen werden im Frühjahr in die Erde gesetzt und sind im Herbst bereit für den endgültigen Standort. Die Vorteile der Winterveredelung ermöglichen mutige Experimente und die schnelle Entwicklung gewünschter Obstsorten.

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Anatoly
Hallo. Vielen Dank für die gut geschriebenen und verständlichen Informationen. Ich werde versuchen, vieles davon in die Praxis umzusetzen, da ich einen großen Garten plane. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Veredelungen mit schwarzer Folie gut gelingen.